In seinem philosophisch-psychologischen Gedicht “Stufen” empfiehlt Hermann Hesse der Nachwelt: “Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten…” – eine Aufforderung, die an die Eigeninitiative des Einzelnen gerichtet ist. Doch welche Räume stehen der menschlichen Persönlichkeit für ein Betreten und späteres Durchschreiten offen? Ist es der zeitliche, kalendarische Raum, den ein neues Jahr anbietet? Ist es der Raum für Interaktionen im menschlichen Miteinander, der Distanz überwindet und Nähe zuläßt? Oder ist es eine ganz andere Raumerfahrung: nämlich das Erleben des Innenraumes in der eigenen Wesenstiefe? Dem erdrückenden Gebaren des Zeitgeschehens kann sich der Mensch der Gegenwart vor allem entziehen, wenn er sich in seine Innenwelt begibt. Und dies ist wohl die bedeutendste Raumerfahrung, die der menschlichen Persönlichkeit geschenkt wird: die Begegnung mit sich selbst. In dieser Innenschau werden neue Lebenskonzepte und ein neues Daseinsverständnis geboren. Was in der Stille ungestört heranreift, hat daher gute Chancen, von Kontinuität getragen zu sein.
Rundbrief Dezember 2009
Neue Räume betreten
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