Rundbrief Mai 2017

Mein zweites Leben

Als einen typischen Zug unseres narzisstischen Zeitalters kann man getrost den Glauben an die eigene Unsterblichkeit ansehen. Gewiss, uns allen ist klar, dass das Leben irgendwann endet. Durch den Tod der Großeltern, vielleicht auch schon den der eigenen Eltern oder mancher Freunde, machen wir erste Erfahrungen damit, dass das Leben endlich ist. Aber irgendwie gilt diese Einsicht oft nur für andere, selten für uns selbst. Die Vorstellung, dass wir vor dem 85. oder 90. Lebensjahr sterben könnten, ist vielen nicht präsent. Zwar liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland nur bei etwa 80 Jahren. Aber dass gerade wir es sind, die vor dem Durchschnitt sterben könnten, ist eigentlich undenkbar. Schließlich ernähren wir uns ja gesund, machen alle Vorsorgeuntersuchungen, bewegen uns und hüten uns vor allzu viel negativem Stress. Doch Erkrankungen, die uns heimsuchen, interessiert unsere gesunde Lebensweise letztlich so gar nicht.

Es ist eine der großen, durchaus gesunden Verdrängungsleistungen der menschlichen Psyche, dass auch unser eigenes Leben endet. Zugleich ist es aber auch eine narzisstische Selbstüberschätzung zu meinen, wir wären anders: leistungsfähiger, perfekter, unverwundbarer und außergewöhnlicher als andere. Und sollte es irgendwo noch haken, optimieren wir uns eben selbst. Normal zu sein, gar Durchschnitt, unterläuft unseren Radar.

“Mein zweites Leben begann an jenem Tag, als ich akzeptierte, dass mein Leben endlich ist.” So oder ähnlich lautete ein Spruch, den wir dieser Tage auf einer Postkarte gelesen hatten. Um dies für sich fühlbar zu machen, empfehlen wir Ihnen ein kleines Experiment: Nehmen Sie in einem schwedischen Möbelhaus Ihrer Wahl ein Papiermaßband mit, das 100 Zentimeter misst. Jeder Zentimeter steht für ein Lebensjahr. Reißen Sie das Band dort ab, wo Sie Ihre persönliche Lebenserwartung sehen. Also beispielsweise bei 87. Da mit dem hohen Alter gesundheitlich Einschränkungen zu erwarten sind, ziehen Sie geistig nochmals 10 Zentimeter ab. Wie viele gesunde Lebensjahre bleiben vom heutigen Tag an gesehen übrig? 22? 35? 9? Oder anders gefragt: Wann wollen Sie mit dem Leben beginnen, das Sie sich eigentlich vorgenommen haben?

Wenn Horaz uns “Carpe diem” empfohlen hat und die heutige Generation Y dies in “YOLO” (you only life once) ummünzt, steckt dahinter keine genusssüchtige Lebenshaltung oder gar das strebsame Erfüllen von Pflichten. Vielmehr ging und geht es um die Aufforderung, in einer gewissen Gelassenheit das “Hier und Jetzt” zu pflücken. Fangen Sie am besten noch heute damit an!

Unsere App Daily Coach

Wie lassen sich Inhalte aus Seminaren und Workshops in den beruflichen Alltag besser transferieren? Seit einiger Zeit beschäftigt uns diese Frage, und seit einiger Zeit stellen wir unseren Teilnehmern mit “DailyCoach” eine iOS-basierte App zur Verfügung, die dafür wertvolle Dienste leistet. In den nächsten Wochen wird die App offiziell im AppleStore verfügbar sein, wir halten Sie auf dem Laufenden. Parallel führen wir bereits mit einigen Unternehmen Gespräche, wie manche interne Präsenz-Schulung durch App-based Learning verbessert oder gar verkürzt werden kann, beispielsweise im Gesundheitsmanagement. Melden Sie sich gerne, wenn Sie sich dahingehend Gedanken machen.

www.dailycoach.de

Zitat aus unseren Seminarinhalten

“Objektiv ist ein Begriff aus dem Fotofachgeschäft.”

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