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Rundbrief März 2018

Einsamkeit und Social Media

Mit der Gründung eines „Ministeriums gegen die Einsamkeit“ hat die britische Premierministerin Theresa May auf der politischen Bühne einen besonderen Akt inszeniert: Sie wolle der „traurigen Realität des modernen Lebens“, der wachsenden Vereinsamung von Millionen Menschen entgegenwirken. Und das Rote Kreuz, wenn es von drohender Einsamkeit und sozialer Isolation spricht, nennt diesen seelischen Zustand: „die Epidemie im Verborgenen“.

Auch wenn Hermann Hesse die Einsamkeit mit einem „isolierenden Nebel“ und Rainer Maria Rilke sie mit der „Monotonie des Regens“ vergleicht, so kann das poetische Einfühlen in die Einsamkeit die tatsächliche Seelenqual des Vereinsamten nicht mildern. Ja, es scheint, als werfe die Einsamkeit ihre quälenden Schatten umso mehr in das Wesensinnere, je epidemischer die Kluft im Zwischenmenschlichen grassiert. Die Außenwelt des einsamen Menschen liegt fern seiner Empfindungstiefe, seine menschenleere Seelenlandschaft ist verödet, Gefühle des Verlassenseins höhlen ihn aus. Die Einsamkeit wirft den Menschen auf seine Ur-Beziehung zu sich selbst zurück! Wer keine innere Kontinuität spürt, verschwindet in seinem eigenen Leersein, seine Seele verhungert.

Aus der trostlosen Ödnis und dem stummen Nichts steigt in vielen einsamen Menschen jene Depression auf, die der Philosoph Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) einmal die „Windstille der Seele“ nannte. Seelenfinsternis bedeutet ja fast immer auch Lebensfinsternis! Der vereinsamte Mensch kennt in diesem Stadium seines Daseins keine Entwicklung, Entfaltung oder Verwandlung seiner Persönlichkeit. Der Raum seines Selbsterlebens ist sehr eng geworden. Darin liegt das Bedrückende seiner enthoffneten Selbstwahrnehmung.

Doch das kommunikative Inventar der Gegenwart hält ein Angebot bereit, das vielen Zeitgenossen einen Weg aus der Einsamkeit weisen könnte: die Social Media. Fast ist man geneigt, der Hauptschrift des Philosophen Karl Popper (1902 – 1994) „Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde“ – lediglich assoziativ – eine neue Intention und Interpretation zu verleihen, nämlich: die Social Media öffnen Menschen füreinander, so dass das gesellschaftlich Mitteilbare und Mitteilenswerte augenblicklich Nähe und Zuwendung erzeugt. Der digitale Austausch bestimmt die sozialen Interaktionen und fördert das gemeinsam Erlebbare zwischen Sender und Rezipient. Die Social Media werden daher für manchen seelisch Heimatlosen Geborgenheit und Zuflucht sein.

Und dennoch – trotz aller Vorzüge dieses universellen Interagierens – steigt die Zahl jener Mitmenschen, die von Gefühlen der Einsamkeit und von unterschiedlichen Ängsten überwältigt werden. Letztlich können auch die Social Media inneres Leersein, menschliche Enttäuschungen und unbeantwortete Sinnfragen nicht heilen. Ist also die Errichtung eines Ministeriums gegen die Einsamkeit von Bürgern sinnvoll? Für das augenblicklich Tröstende wohl schon, nicht aber dafür, um den Suchenden zu helfen, ihre eigene Lebensinitiative zu ergreifen. Verwöhnung schafft Abhängigkeit und lässt die eigenen Antriebe langsam verkümmern.

Der Weg aus der Einsamkeit kann nur durch die tiefe Reflexion über das eigene Lebensgefühl führen!

Dazu bieten unsere Veranstaltungen vielfältige Erfahrungen an.

Zitat aus unseren Seminarinhalten

„Wer in permanenten Erwartungen an Andere lebt, vergisst eine wesentliche Lebensaufgabe: für sich selbst zu sorgen!“

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